Logo des Forum Vauban e.V. Sie befinden sich in der deutschen Version  To English version 

Der Verein Forum Vauban stellte von 1994 bis 2004 die "erweiterte Bürgerbeteiligung" im Stadtteil Vauban, Freiburg.
Der Stadtteilverein Vauban e.V. hat die Nachfolge angetreten.
Diese Internetseiten dienen lediglich der Dokumentation der damaligen Aktivitäten.
Ein Wegweiser
quartierssozialarbeit im stadtteil vauban
patricia de santiago
alfred-döblin-platz 1, d-79100 freiburg
fon: 0761 456871-34, fax: 0761 456871-39
email: santiago(at)vauban.de
www.quartiersarbeit-vauban.de
 
  wer war der forum vauban?   dokumentation   quartiersarbeit   stadtteilverein   angebote im stadtteil  
Marktplatz-Panorama
überblick   modellstadtteil   handbuch   LIFE-projekt   stadtvisionen   verkehrskonzept

"Umsetzungsbegleitung des Verkehrskonzeptes im Stadtteil Freiburg-Vauban"

kurzdarstellung des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten projektes:

Projektlaufzeit: November 2001 - Februar 2003

Ein wesentlicher Bestandteil des sozial-ökologischen Modellcharakters des Stadtteils Vauban in Freiburg ist das umgesetzte Verkehrskonzept. Weite Teile des Stadtteils sind stellplatzfrei ausgewiesen. Darüber hinaus haben sich 300 Haushalte (ca. 50%) vertraglich verpflichtet, auf ein eigenes Auto zu verzichten. Erst der autofreie Alltag lässt die Lücken und Verbesserungsmöglichkeiten des Konzeptes erkennen. Neben den vielen positiven Aspekten, die ein autoarmer Stadtteil mit sich bringt, haben sich erwartungsgemäß auch Schwierigkeiten bei der Umsetzung ergeben. Neben Konflikten, die zwischen autofreien Bewohnern und Bewohnern mit Pkw auftreten, ist auch der Anschluss an den ÖPNV noch nicht optimal gelöst. Die spezifischen Mobilitätsbedürfnisse in einem autoarmen Stadtteil spiegeln sich im derzeitigen Angebot nicht ausreichend wider.

Der Text wurde mittlerweile öffentlich bereitgestellt unter www.vauban.de

zu den aufgaben des projektes gehören:
  • Die Erarbeitung eines Katalogs von möglichen Massnahmen um autofreie und/oder autoverkehrsarme Stadtteile zu unterstützen (Stichwort
  • "Alternative Mobilität") durch das Öko-Institut, Freiburg
  • Umfrage zu den Erfahrungen mit dem autorarmen Stadtteil Vauban durch das DLR Institut für Verkehrsforschung, Berlin
  • Unterstützung der bereits aktiven Stadtteilgruppen, je nach Bedarf die Organisation von Arbeitskreistreffen, Informationsveranstaltungen etc. sowie das Erstellen eines Handbuchs für die Bewohner mit praktischen Informationen zum Thema Mobilität.
  • Umsetzung der mit Vertretern des Stadtteils, den wissenschaftlichen Instituten und anderen Sachverständigen für den Stadtteil erarbeiteten Maßnahmen- und Angebotskonzepte.
  • Schließlich sollen alle Erfahrungen bei der Erstellung und Umsetzung des Verkehrskonzeptes auf dem Vaubangelände zu einem "Info-Paket" zusammengestellt und für andere Kommunen, Bürgerinitiativen oder Baugruppen zugänglich gemacht werden.
Jörg Lange email: lange(at)vauban.de
fon: +49 (0) 761 / 45683334
fax: +49 (0) 761 / 45683337
förderprojekt 5

umsetzungsbegleitung des verkehrskonzeptes im stadtteil freiburg-vauban

Gefördert durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU. AZ 18070)

Projektlaufzeit: seit Juni 2001

Fördersumme: 51.996,34 €

Autorin: Claudia Nobis

Arbeitspaket 1.2: Bewohnerbefragung durch das IVF, Berlin

ziel und aufgabe der untersuchung

Das Vauban-Gelände ist aufgrund seines integrativen Planungsansatzes und dem Versuch, die in der Diskussion um eine nachhaltige Stadtentwicklung postulierten ökologischen und sozialen Leitbilder weitgehend in die Realität umzusetzen, zu einem viel besuchten und beforschten Praxisprojekt für zukunftsfähigen Städtebau geworden. Eine umfassende Erhebung zu den Erfahrungen und der Zufriedenheit der Bewohner mit ihrer Wohn- und insbesondere Verkehrssituation im Quartier Vauban liegt bisher jedoch nicht vor. Als Grundlage für die Umsetzung von Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssituation im Quartier und zur Erleichterung der alltäglichen Mobilität der Bewohner im Rahmen des Projektes wurde daher die im folgenden beschriebene Bewohnerbefragung durchgeführt.

Ziel der Untersuchung ist zum einen, die bereits erkannten Defizite und Angebotslücken bei der Umsetzung des neuartigen Verkehrskonzeptes besser quantifizieren zu können und die Prioritäten der Bewohner bezüglich gewünschter Nachbesserungen zu erkennen. Dabei geht es insbesondere auch um das Interesse der Bewohner am Aufbau von Mobilitätsdienstleistungen im Quartier. Zum anderen soll über die Befragung eine erste Evaluation des autoarmen Quartierskonzeptes erfolgen. Das Verkehrskonzept in Vauban ist bundesweit eines der ersten Projekte, das die Idee, den motorisierten Individualverkehr möglichst weitgehend aus dem Quartier herauszuhalten, in die Praxis umgesetzt hat. Es stellt sich daher die Frage, in wie weit das Konzept zur Verbesserung der Lebensqualität im Quartier beiträgt und über die Vorgabe eines baulich-funktionalen Stadtteilkonzeptes tatsächlich ein weniger auf das eigene Auto ausgerichtetes Mobilitätsverhalten entsteht. Die gegenwärtige Diskussion in der Stadtentwicklungs- und Verkehrsforschung ist gekennzeichnet durch konträre Meinungen darüber, welcher Faktor einen höheren Einfluss auf das menschliche Mobilitätsverhalten hat: städtebauliche Maßnahmen wie Nutzungsmischung und Dichte, die eine Stadt und damit einen Alltag der kurzen Wege ermöglichen sollen, oder die zunehmenden Ausdehnung der Aktionsräume des Menschen infolge sich ausdifferenzierender Lebensstile. Das Quartier Vauban bietet die Möglichkeit, die theoretische Diskussion durch empirische Daten zu unterlegen.







methodisches vorgehen

Die Befragung der Bewohner ist mittels standardisiertem schriftlichen Fragenbogen erfolgt. Mit der Wahl dieses Instrumentes sollte auch Bewohnern, die an Angeboten wie der Teilnahme an Arbeitskreisen und Bewohnerversammlungen nicht interessiert sind, die Möglichkeit gegeben werden, ihre Wünsche und Probleme in bezug auf das Verkehrkonzept zu äußern.

Für die Befragung wurde ein Haushalts- und ein Personenfragebogen entwickelt. Der von einer Person im Haushalt auszufüllende Haushaltsfragebogen sollte einen Überblick über die soziodemographische Situation der Haushalte im Vauban und ihre Ausstattung mit Verkehrsmitteln geben. Erfragt wurden die Haushaltsgröße, die Geschlechts- und Altersverteilung, die ausgeübte Tätigkeit der Haushaltsmitglieder und deren Beziehung untereinander, die Ausstattung des Haushalts mit Verkehrmitteln und Zeitkarten des öffentlichen Personen(nah)verkehrs sowie die Zahl der Haushaltsmitglieder, die sich an einer privaten Autogemeinschaft beteiligen oder Mitglied bei einer Car Sharing-Organisation sind. Die Haushalte des stellplatzfreien Quartiers sollten darüber hinaus angeben, ob sie sich für autofreies Wohnen oder für einen Stellplatz in der Quartiersgarage entschieden haben.

Der Personenfragebogen sollte von allen Haushaltsmitgliedern ab 18 Jahren ausgefüllt werden. Er thematisiert das Mobilitätsverhalten über Fragen zum Einkaufs-, Reise- und Freizeit-verhalten sowie über Fragen zur Berufstätigkeit und der jeweils damit verbundenen Verkehrmittelwahl. Des weiteren wurden Fragen zu Änderungen des Mobilitätsverhaltens seit dem Umzug ins Quartier, zu Einstellungen und zur Zufriedenheit mit dem Verkehrskonzept sowie der Verkehrsanbindung des Quartiers gestellt und das Interesse an Mobilitätsdienstleistungen ermittelt. Die Bewohner konnten zudem Vorschläge zur Verbesserung der bestehenden Verkehrssituation machen.

Um auf die jeweils spezifische Wohnsituation der unterschiedlichen Gruppen im Quartier eingehen zu können, richtete sich ein farblich besonders gekennzeichneter Teil des Fragebogens speziell an alle Personen, die in einem Haushalt ohne eigenen Pkw wohnen. Ein weiterer Teil richtet sich an Personen im stellplatzfreien Gebiet, deren Haushalt über ein Auto verfügt und die Quartiersgarage nutzt.

Mit Ausnahme der Bewohner der Studentensiedlung wurden alle Bewohner des Vauban-Geländes befragt. Die Verteilung der Fragebogen erfolgte am 26.4.2002. Die Bewohner hatten zwei Wochen Zeit, die Fragebogen auszufüllen und beim Forum Vauban abzugeben bzw. in Sammelboxen, die in mehreren Geschäften über den Stadtteil verteilt aufgestellt wurden, einzuwerfen. Letzter Abgabetermin war der 26. Mai 2002.

In die Auswertung sind 247 Haushalts- und 438 Personenfragebogen eingegangen. Da beim Amt für Statistik und Einwohnerwesen in Freiburg keine Haushaltszahlen für Vauban vorliegen, kann für die Haushaltsfragebogen keine Rücklaufquote errechnet werden. Bei den Personenfragebogen beträgt die Grundgesamtheit, d.h. alle in Vauban lebenden Personen ab 18 Jahren, die nicht in der Studentensiedlung wohnen, 1.353 Personen. Die Rücklaufquote beträgt damit 32% und liegt weit über dem Durchschnitt von normalerweise bei derartigen Befragungen zu erzielenden Werten. Dies ist insbesondere angesichts der Länge des Personenfragebogen von 10 bzw. 11 Seiten - je nachdem ob der Fragebogen von Personen mit oder ohne Pkw ausgefüllt wurde - beachtenswert.

Für die Aufbereitung und Analyse der Daten wird das Datenanalyseprogramm SPSS verwendet. Die Auswertung der Daten über univariate Verfahren (Häufigkeitsverteilungen, Mittelwerte etc.) ist abgeschlossen. Derzeit findet die weiterführende Auswertung des Datensatzes über bivariate Verfahren statt. Darüber soll u.a. die Abhängigkeit des Antwortverhaltens von der Wohnform (mit oder ohne Auto) oder des Geschlechts etc. ermittelt und das Vorkommen von gruppenspezifischen Merkmalen herausgearbeitet werden.







darstellung der ergebnisse

Im nachfolgenden werden exemplarisch einige wesentliche Ergebnisse der ersten Auswertung der Bewohnerbefragung vorgestellt.

Ausstattung der Haushalte mit Verkehrsmitteln, Zeitkarten etc.

Die Ausstattung der Haushalte in Vauban mit Verkehrsmitteln und Zeitkarten des Umweltbundes (Fahrrad, Zeitkarten des Personennah- und -fernverkehr) ist sehr gut und im Vergleich mit den Bewohnern des gesamten Freiburger Stadtgebietes i.d.R. überdurchschnittlich hoch. Die Zahl der Autos pro 1.000 Einwohner fällt in Vauban dagegen weit niedriger als in ganz Freiburg aus.

 
Anzahl übertragbare Regiokarten: Häufigkeit Gültige Prozente
1 90 36,7%
2 4 1,6%
Keine 151 61,6%
Gesamt 245 100,0%
 

38% der befragten Haushalte besitzen eine übertragbare Regiokarte. Zusammen mit den personengebundenen Regiokarten, steigt ihr Anteil auf 49%. Damit besitzt fast die Hälfte aller befragten Haushalte mindestens eine Regiokarte.

In der vom Darmstädter Büro R+T freiburgweit durchgeführten Befragung wird der Besitz einer Regiokarte nicht auf Haushaltsebene, sondern auf Ebene der im Haushaltsfragebogen genannten Personen quantifiziert. Dort sollten nur Personen ab 6 Jahren angegeben werden. Im Ergebnis verfügen 30% der genannten Personen über eine Regiokarte. In Vauban ergibt sich für alle im Haushaltsfragebogen aufgeführten Personen ab 6 Jahre ein Anteil von 25%.

Der Anteil der Personen mit Regiokarte fällt in Vauban demnach etwas geringer aus. Dieses Ergebnis relativiert sich bei der Betrachtung der Haushaltsgröße und Alterszusammensetzung. Zum einen fällt die durchschnittliche Haushaltsgröße in Vauban deutlich höher aus. Große Haushalte haben in der Regel eine pro Kopf betrachtet geringere Ausstattung mit Verkehrsmitteln/ Zeitkarten. Zum anderen leben überdurchschnittlich viele junge Personen in Vauban. Gerade die zahlenmäßig sehr hoch vertretenen Kinder im Grundschulalter verfügen zum allergrößten Teil über keine Regiokarte, da sie zumeist im Stadtteil selbst zur Schule gehen. Auf diese Weise weicht der Schnitt nach unten ab. Es wird davon ausgegangen, dass bei einer freiburgweiten Betrachtung von Haushalten mit ähnlicher Größe und Alterszusammensetzung wie in Vauban, die Haushalte in Vauban mindestens genauso viele bzw. mehr Regiokarten besitzen.

Die Zahl der BahnCard-Besitzer fällt höher als die der Regiokarten-Besitzer aus: In 71% aller befragten Haushalte besitzt mindestens eine Person eine BahnCard. Im Schnitt kommen die Haushalte auf 1,6 BahnCards. Bei einer durchschnittlichen Haushaltsgröße von 3,1 Personen verfügt damit mehr als die Hälfte aller im Haushaltsfragebogen angegebenen Personen über eine BahnCard.

Bei der Betrachtung der Anzahl von Fahrräder und Autos pro 1.000 Einwohner ergeben sich folgende Werte: Auf 1.000 Einwohner in Vauban kommen 858 Fahrräder, aber nur ca. 150 Pkw. Auf ganz Freiburg bezogen liegt keine vergleichbare Zahl für Fahrräder vor. Bei Pkw liegt die Zahl für Freiburg um das dreifache höher: Hier besitzen 457 von 1.000 Einwohnern einen Pkw. Dies ist nur eine Zahl, in der sich die Auswirkungen des neuartigen Verkehrskonzeptes in Vauban ausdrückt.

Eine weitere Besonderheit, was die Nutzungsmöglichkeit von Verkehrsmitteln betrifft, stellt der Zugang zu Car Sharing-Fahrzeugen dar. 33% aller befragten Personen ab 18 Jahren geben an Mitglied bei einer Car Sharing-Organisation zu sein. Angesichts der Tatsache, dass bundesweit lediglich gut 55.000 Personen einer Car Sharing-Organisation angehören, stellt eine solche Häufung in einem Stadtteil die absolute Ausnahme dar.




Mobilitätsverhalten

Betrachtet man die Anteile von Wegen unterschieden nach dem Wegezweck, kommt v.a. dem Einkaufs- und Freizeitverkehr sowie Wegen, die mit der Ausübung des Berufs bzw. der Ausbildung zusammen hängen, eine bedeutende Rolle zu. Die Summe allein dieser drei Wegezwecke macht 80% aller Wege der Freiburger Einwohner aus.

Die Vauban-Bewohner nutzen bei allen drei Wegezwecken zu einem weit überdurchschnittlich hohen Maß das Fahrrad. Die höchsten Werte werden im Berufsverkehr erzielt. Liegt der Anteil des Fahrrades bei Wegen zur Arbeit in Freiburg bei 34%, so erreicht der Anteil der Fahrradfahrer in Vauban gut 70%. Beim Freizeitverkehr liegt der Fahrradanteil in Vauban bei 50% (ganz Freiburg: 29%), beim Einkaufsverkehr bei 56% (ganz Freiburg: 29%).

Die Vauban-Bewohner nutzen generell nahe gelegene Einkaufsorte. Einkäufe des täglichen Bedarfs werden zu 54% auf dem Vauban-Gelände selbst getätigt, an zweiter Stelle folgt mit 18% die ca. drei Kilometer entfernt gelegene Innenstadt. Großeinkäufen werden mit 25% am häufigsten im Großmarkt im Gewerbegebiet erledigt. Doch auch beim Großeinkauf sind die vor der Haustür gelegenen Einkaufsorte in Vauban sehr gefragt. Sie werden mit 24% zu lediglich einem Prozent weniger als der Großmarkt genannt.

Wird der Einkaufsverkehr differenziert nach dem Einkaufsort betrachtet, dominiert bei allen Orten die Nutzung des Fahrrades. Es gibt lediglich eine Ausnahme: Beim Einkauf im Großmarkt auf dem Gewerbegebiet, bei dem ein Viertel aller Großeinkäufe durchgeführt werden, wird mit 70% am häufigsten das Auto genutzt. Das Fahrrad folgt weit dahinter mit 17% der Nennungen, steht damit aber wiederum auf Platz zwei. Beachtenswert bei den Großeinkäufen im Gewerbegebiet ist auch der vergleichsweise hohe Anteil von Car-Sharing-Fahrzeugen. Diese kommen auf 9% der Nennungen.

Das Mobilitätsverhalten der Bewohner hat sich durch den Umzug nach Vauban zu einem nicht unerheblichen Teil geändert. Zwar geben die Bewohner bei fünf der insgesamt acht genannten Verkehrmittel mit 54 bis 70% jeweils am häufigsten an, das Verkehrsmittel genauso oft wie früher zu nutzen. Auf die einzelnen Verkehrsmittel bezogen ergeben sich dennoch deutliche Veränderungen.




 
  Gültige Prozent
Nutzung Fahrrad zu Fuß Kraftrad Auto Car Sharing Taxi Bus/ Straba Zug
häufiger als früher 38,4% 27,1% 10,5% 16,1% 55,8% 32,3% 36,7% 20,2%
genauso oft wie früher 53,5% 58,2% 69,5% 38,1% 36,8% 59,1% 42,0% 68,8%
seltener als früher 8,1% 14,7% 20,0% 45,8% 7,4% 8,6% 21,3% 11,0%
Gesamt 100,0% 100,0% 100,0% 100,0% 100,0% 100,0% 100,0% 100,0%
 

Bei allen Verkehrsmitteln des Umweltverbundes (Fahrrad, Fuß, Bus/ Straßenbahn, Zug) überwiegt die Zahl der Personen, die das Verkehrmittel häufiger nutzen als früher deutlich den Anteil der Personen, die angeben das Verkehrmittel seltener als früher zu nutzen. Die Fahrradnutzung, die im Einkaufs-, Freizeit- und Berufsverkehr auffällig dominiert, hat bei einem großen Teil der Bewohner mit dem Umzug zugenommen. 38% der Befragten geben an, das Fahrrad häufiger als früher zu nutzen.

Die größten Unterschiede im Vergleich zu der Zeit vor dem Umzug ergeben sich jedoch bei der Autonutzung und der Nutzung von Car Sharing-Fahrzeugen. 46% der Bewohner geben an, weniger Auto zu fahren als früher. Damit einher geht eine deutlich häufigere Nutzung von Car-Sharing-Fahrzeugen. Dieser Effekt kommt im wesentlichen durch die autofreien Haushalte zustande. Ein Großteil der Haushalte hat erst mit Einzug in Vauban den Pkw abgeschafft. Die Alternative zur Nutzung eines eigenen Pkw scheint in den meisten Fällen die Nutzung eines Car Sharing-Wagens zu sein. Doch auch bei den stellplatzfreien Bewohnern mit Pkw überwiegt - wenn auch deutlich schwächer ausgeprägt - bei der Autonutzung der Anteil der Personen, die seltener Auto fahren als früher, und bei der Car Sharing-Nutzung der Anteil der Personen, die häufiger Car Sharing-Wagen nutzen als früher. Am häufigsten wird jeweils die Kategorie "genauso oft wie früher" angegeben.

Nachfolgend wird auf die Ergebnisse der beiden gesonderten Teile des Fragebogens, die sich an autofreie Bewohner und Bewohner des stellplatzfreien Gebietes mit Auto gerichtet haben, vorgestellt.




antworten der autofreien bewohner

Die autofreien Bewohner haben mit 57% mit Abstand am häufigsten den PKW erst mit Einzug in Vauban abgeschafft. Dies ist v.a. vor dem Hintergrund des oft gehörten Arguments, autofreie Wohnangebote wären nur für ohnehin schon autofreie Haushalte von Bedeutung, interessant. Am zweithäufigsten wird angeben, die Abschaffung des Pkw hat innerhalb der letzten 5 Jahre stattgefunden. Der Großteil der autofreien Haushalte hat damit noch keine lange Erfahrung mit einer autofreien Lebensweise.

Von den befragten, in autofreien Haushalten lebenden Personen geben 81% an, früher schon mal einen Pkw besessen oder regelmäßig zur eigenen Verfügung gehabt zu haben. Auch diese Zahl macht deutlich, dass es sich keineswegs ausschließlich um eingefleischte Autofreie, die aus einer Grundüberzeugung heraus auf ein eigenes Auto verzichten, handelt.

Nach den Gründen für die Abschaffung des Pkw gefragt, wird von insgesamt neun aufgeführten Gründen am häufigsten genannt, dass der Pkw selten genutzt wurde. An zweiter Stelle folgen ökologische Motive. Einen wesentlichen Grund haben auch die hohen Kosten der Stellplätze in der Quartiersgarage gespielt. Diese werden am dritthäufigsten genannt.

Die in autofreien Haushalten lebenden Personen sind mit ihrer Mobilität grundsätzlich zufrieden. 81% geben auf einer fünfstufigen Skala an, dass ihnen die Organisation des Alltags ohne eigenen Pkw sehr leicht bzw. leicht fällt. 79% sind zufrieden bis sehr zufrieden, mit der Möglichkeit, ihre Freizeit ohne eigenen Pkw zu gestalten. Schwieriger scheint es dagegen zu sein, den Besuch von Freunden und Verwandten auch ohne den Besitz eines eigenen Pkw zu organisieren. Überwiegen auch hier mit 57% die Personen, die zufrieden bis sehr zufrieden sind, erreicht der Anteil der Personen, der angibt nur teils teils zufrieden zu sein immerhin 32%.

Die Frage, ob es Situationen gibt, in denen ein eigenes Fahrzeug vermisst wird, bejahen gut zwei Drittel der Befragten. Bei der Hälfte der Befragten kommen solche Situationen jedoch nur selten vor. Von sechs genannten Gründen für das Vermissen eines eigenen Pkw wird am häufigsten genannt "für Ausflüge, Kurzreisen, Urlaube". An zweiter Stelle folge der Grund "spontan irgendwo hinfahren".

Die Zufriedenheit der autofreien Bewohner drückt sich auch darin aus, dass 96% die Frage, ob sie über den Kauf eines Autos nachdenken, verneinen. Die 96% setzen sich aus 73% der Bewohner zusammen, die angeben, weiterhin ohne Auto bleiben wollen. Bei ihnen spielen die hohen Stellplatzkosten in der Quartiersgarage keine Rolle. 23% geben dagegen an, nicht über den Kauf eines Autos nachzudenken, da sie die hohen Stellplatzkosten in Vauban nicht finanzieren wollen. Wie sich bereits bei den Gründen für die Abschaffung eines Pkw gezeigt hat, haben die Stellplatzkosten einen deutlichen Einfluss auf die Entscheidung der Haushalte.




antworten der stellplatzfreien bewohner

Die Bewohner des stellplatzfreien Gebietes mit Pkw sind im Vergleich zu den autofreien Bewohnern deutlich unzufriedener. 26% der Befragten geben an, unzufrieden bzw. sehr unzufrieden mit dem stellplatzfreien Konzept zu sein. 40% wählen die Kategorie teils teils. Wirklich zufrieden sind 34%.

An das Abstellen des Pkw in der Quartiersgarage haben sich die meisten Befragten offensichtlich noch nicht gewöhnt. 67% geben an, dass es ihnen manchmal bzw. häufig schwer fällt, den Pkw nicht direkt am Haus abstellen zu können. Gar keine Schwierigkeiten damit haben lediglich 12%. Transporthilfen für das Be- und Entladen werden von den meisten Befragten jedoch nicht als Alternative gesehen, um den Transport von Gegenständen zwischen Wohnung und Quartiersgarage zu erleichtern. 55% der Befragte geben an, dass sie etwaige Transporthilfen nicht nutzen würden.

Die Stellplatzfreien mit PKW sind dem Verkehrskonzept gegenüber auf der anderen Seite jedoch durchaus aufgeschlossen. 56% geben an über die Alternative, autofrei in Vauban zu wohnen, zumindest einmal nachgedacht zu haben. Die Personen, die sich vorstellen können, den Pkw später abzuschaffen (31%) halten sich mit den Personen, die sich dies nicht vorstellen können (32%) die Waage.

interesse der bewohner an mobilitätsdienstleistungen / verbesserungsvorschläge

Das Interesse der Bewohner an Mobilitätsdienstleistungen lässt sich schwer direkt abfragen. Bei fiktiv gestellten Fragen, ob man sich eine bestimmte Nutzung vorstellen könne, erhält man i.d.R. sehr hohe zustimmende Werte. In der Realität stellt sich die Entscheidungssituation oft ganz anders dar. Konkret abgefragt wurde lediglich das Angebot von Transporthilfen zwischen Quartiersgarage und den Wohnungen, an dem unter dem Gesichtspunkt meist zu hoher Zustimmungswerte demnach gar kein Interesse seitens der Bewohner besteht.

Um eine Einschätzung zu erhalten, in wie weit internetbasierte Mobilitätsdienstleistungen eine Lösung sind, wurden den Bewohnern Fragen zu ihrer Internetnutzung gestellt. Mit 76% nutzt ein Großteil der Befragten das Internet und zwar am häufigsten täglich. Die Hälfte der Personen, die das Internet nutzen, verfügen zu Hause über einen Internetanschluss. 61% der Internetnutzer gibt an, das Internet bereits für die Information über Verkehrsanbindungen und Preise zu nutzen. Die Voraussetzungen für den Aufbau von Mobilitätsdienstleistungen, die eine Nutzung des Internets nötig machen, scheinen in Vauban damit vergleichsweise günstig zu sein.

Grundsätzlich zeigt sich, dass der größte Verbesserungsbedarf v.a. verkehrsplanerischer Art ist. Kritisiert wird z.B. die Qualität von Fahrradwegen, die allerdings nicht im, sondern außerhalb des Quartiers liegen. Des weiteren wird oft angemerkt, dass der Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr verbessert werden sollte. Sehr großer Handlungsbedarf besteht v.a. beim Besucherverkehr. Die Besucher kommen nach Aussage der befragten Bewohner am häufigsten mit dem Pkw. Es wird daher bemängelt, dass es keine kostenlosen, wohnungsnahen Besucherstellplätze gibt. Dies ist insbesondere bei Besuchern, die mehrere Tage bleiben ein Problem. Die Bewohner stufen den Handlungsbedarf, sich für die Öffnung der Quartiersgaragen für Besucher einzusetzen, daher auch zu 60% als hoch, weitere 25% als eher hoch ein. Lediglich 16% sehen hier eher niedrigen bzw. niedrigen Handlungsbedarf.




zusammenfassung

Die erste Auswertung der Befragungsergebnisse macht einerseits den Erfolg, andererseits aber auch die Probleme des in Vauban umgesetzten Verkehrskonzepts deutlich. Besonders beeindruckend ist der im Vergleich zum Freiburger Durchschnitt um einiges höhere Anteil der Verkehrsmittel des Umweltverbundes - insbesondere des Fahrrades - sowohl im Einkaufs, Freizeit- als auch Berufsverkehrs. Eine wesentliche Rolle für diesen hohen Anteil spielt die hohe Zahl der autofreien Haushalte, die zumeist erst mit Einzug in Vauban den Pkw abgeschafft haben und damit auch einen deutlichen Wechsel ihrer Mobilität vollzogen haben. Darin wird ein Beleg dafür gesehen, dass über städtebauliche Vorgaben durchaus Einfluss auf das Mobilitätsverhalten genommen werden kann, auch wenn die in vielerlei Hinsicht spezielle Situation in Vauban nicht ohne weiteres auf andere Quartiere übertragbar ist.

Obwohl ein Großteil der autofreien Bewohner noch nicht lange autofrei lebt, haben sie sich bereits gut an diese Situation gewöhnt. Sie sind mit der Gestaltung ihrer Mobilität ohne eigenen Pkw zum weit überwiegenden Teil sehr zufrieden. Die stellplatzfreien Bewohner haben dagegen mehr Probleme mit der Situation der fehlenden Parkmöglichkeiten am eigenen Haus zurecht zu kommen. Dies erweist sich auch bei der Abwicklung des Besucherverkehrs als problematisch. Die Besucher und die stellplatzfreien Bewohner mit Auto stellen daher zwei wichtige Zielgruppen bei der Weiterentwicklung des Verkehrskonzeptes und der Entwicklung von Verkehrsangeboten im Stadtteil dar.


stadtvisionen navigation angebote im stadtteil
zuletzt aktualisiert am: 30.10.2009 © 2002-2004 forum vauban, freiburg